Am Ende glaube ich Hunden.

An Weihnachten besuchte ich eine Züchterin und ihre Mutterhündin. Dazu gehören außerdem noch 10 Welpen. Alle unterschiedlich. Sie tragen Halsbänder mit verschiedenen Farben, um sie auseinander halten zu können. Ich bin da, um die Hunde zu beobachten.
Zunächst unterhalte ich mich über eine Stunde mit der Züchterin. Ich möchte sie verstehen. Rede mir ihr, was die Zucht mit ihr macht. Auch da höre ich den Satz:" Ich versuche, ihnen keine negativen Erfahrungen mit zu geben." Sie sagt selbst, dass sich dieser Satz bei ihr extrem fest gesetzt hat. Das Problem an der Sache ist, ein Welpe hat es nicht geschafft und zwei Welpen sind extrem klein im Verhältnis zu den anderen. Sie müssen kämpfen. Alleine schaffen sie es nicht, also greift die Züchterin ein. Ausgerechnet einer, dieser kleinen Welpen zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie ist die kleinste. Aber, sie ist immer dort, wo es Ärger gibt. Sie ist mutig, furchtlos und setzt deutlich ihre Grenzen. Auf der anderen Seite gibt es einen Welpen mit einem gelben Halsband. Super genährt, wirkt kräftig und ist offensichtlich das Arschloch der Gang. Das sieht die Mutter auch so. Sie hat diesen Welpen auf dem Schirm. Immer wieder nimmt sie sich diesen Welpen zur Brust. Legt ihn auf den Rücken und fordert den Welpen damit auf, sich zurück zu nehmen. Alles an dieser Kommunikation ist phantastisch. In diesem Moment verschwende ich keinen einzigen Gedanken daran, was Menschen über Hunde erzählen. Ich sehe diese Mutter, die sich diesen Welpe, den ich auch als den Rüpel identifiziert habe zur Brust nimmt. Ich fühle mich vom Hund bestärkt. Und die Mutter kämpft eindeutig mit dem Welpen, dem das nicht gefällt. Hört sie auf? Nein! Sie weiß was richtig ist. Nämlich, dass sich der Welpe zurück nimmt. Einmal schreit der Welpe auf und sofort nimmt sich die Mutter zurück. Auch sie vertraut ihrem Gegenüber.
Nach dem die Welpen im Garten waren, gehen wir rein, wo die Welpen schlafen. Und hier passiert für mich das, was meinen ganzen Tag verändern wird. Gerade beim zur Ruhe kommen, konnten wir jeden einzelnen Welpen beobachten. Ich setze mich auf den Boden und korrigiere alle Welpen, die entweder an meine Kamera gehen wollen oder mich als Kletterburg ansehen. Der kleinste Welpe, der mein Interesse erweckte, ist der erste Welpe der sich neben mich in ein Bett legt und zur Ruhe kommt. Ich dachte mir in diesem Moment, dass ich sie verstehe. Sie hatte draußen so viele Fragen an ihr Umfeld und ist jetzt einfach erschöpft. Ich schlucke den Gedanken runter, um nicht in Tränen auszubrechen, die absolute Sympathie für diesen Hund ausdrücken würde. Nach und nach kommen alle Hunde zur Ruhe. Zum Schluss gibt es noch 3 Welpen, die weiter spielen, sich mit Dingen beschäftigen und vorallem an der Züchterin herum klettern. Die Mutterhündin, die mich ganz genau beobachtet hat, wie ich ihre Welpen korrigiert habe, liegt genau vor mir. Sie hat den Rücken zu mir gedreht. Einer der Welpen, die nicht zu Ruhe kommen ist auf dem Weg zur Mutter, um sie zu nerven. Ich schnippe den Welpen weg von der Mutter, die sich darauf hin erschrickt, aufsteht und von mir weg geht. Nach einer kurzen Zeit des Verarbeitens legt sie sich noch näher zu mir hin und kommt wieder zur Ruhe.
Jetzt kümmere ich mich noch um die letzten Welpen, die nicht zur Ruhe kommen. Ich erkläre der Züchterin, dass ich die letzten 3 als die Unsichersten ansehe. Sie wissen noch nicht, dass es sicher ist zum Schlafen. Sie bleiben wach. Sie haben diese Energie. Aber auch sie müssen schlafen. Sie werden gerade davon wach gehalten, dass die Züchterin ein Bedürfnis nach Nähe hat. Im Kern kommuniziert sie damit, dass sie diese Welpen jetzt braucht. In dem Moment, wo die Züchterin genau das verstanden hat, fängt sie an, die Hunde zu korrigieren. Sie nimmt die Welpen von sich runter und lässt sie nicht mehr an sich rum klettern. Sie stößt die Welpen jetzt auch leicht von sich weg. Der erste Welpe sah das als Aufforderung, ein Bett aufzusuchen, legte sich auf eine Decke und schlief sofort ein. Ein anderer Welpe kam zu mir und wollte auch von mir Klarheit. Auch ich verneinte und sagte damit, dass sich der Welpe auch um mich nicht zu kümmern braucht und ich jetzt für Sicherheit sorge. Ich demonstrierte mein Nein. Also ging der Welpe weg, kringelte sich ein und schlief. Der letzte kämpfte. Er legte seinen Kopf auf das Bein, der auf dem Boden sitzenden Züchterin. Er versuchte noch alles zu verstehen, was hier gerade passierte und zack, schlief er ein. Das ganze Gespräch mit diesen 3 Welpen dauerte nicht einmal eine Minute. Zu guter Letzt drehte sich die Mutter auf die Seite und kam endlich auch zur Ruhe.
Nach dem ich bei den Welpen war, war mein ganzer Tag von einer Ruhe beseelt, die mich tatsächlich erschöpfte oder mir auch meine Erschöpfung aufzeigte. Ich ging mit meinen Hunden spazieren und nahm auch noch die Hunde von Melanie mit. Wir liefen. Ich wollte ein YouTube Video aufnehmen, was nicht klappte. Ich konnte nicht mehr reden. Ich wollte nicht mehr reden. Ich filmte nur noch meine Hunde, ohne zu kommentieren. Es war der schönste Spaziergang überhaupt. Und mir wurde darauf hin klar, alles was ich bisher getan habe, war eine Rechtfertigung. Ich rechtfertige mich für das, was ich sehe und beobachte und diskutiere mit blinden Menschen, die die Schönheit in einer Korrektur nicht erkennen. Sie sehen nicht und wollen nicht sehen. Sie wollen wissen und verkaufen dieses Wissen, als etwas das es nicht ist. Ich weiß nichts. Aber, ich glaube und vertraue auf Kommunikation und damit höre ich mehr auf Hunde, als auf blinde, ihren eigenen Emotionen unterliegenden Menschen. Ich bin ein Beobachter. Und deswegen sind meine Hunde das Wertvollste, was ich habe, um Hunde zu verstehen.
Stephan Peukert- Believe in Communication.
25.12.2025
